In der Oktoberwoche, in der die Blase der Teilnehmerzahlen beim US-amerikanischen Fantasy Sports den Prognosen nach aufgrund eines Skandals ĂŒber Hinweise auf geheime Absprachen zwischen den zwei grĂ¶ĂŸten Websites der Branche platzen sollte, geschah das genaue Gegenteil. DraftKings und FanDuel verbuchten mit ĂŒber $45 Millionen an TeilnahmegebĂŒhren bzw. einem gemeinsamen Ertrag von fast $5 Millionen ihre besten Wochenenden.

Die Welt von Fantasy Sports, insbesondere Football, ist im letzten Jahrzehnt geradezu explodiert, was fĂŒr Millionen Gewinner, Verlierer und ein Rechtssystem gesorgt hat, sodass man sich fragt, wo die Grenzlinien zwischen Leistungswettbewerb und Sportwetten in einer Onlinewelt gezogen werden sollten.

GRÖSSER ALS SIE GLAUBEN

Laut der Fantasy Sports Trade Association (FSTA) sind die Zahlen ĂŒberwĂ€ltigend. WĂ€hrend die Anzahl der Spieler in den USA und Kanada in den letzten 12 Jahren stetig zunahm (von 15,2 Millionen in 2003 auf 56,8 Millionen in 2010, also mehr als eine Verdreifachung), entwickelte sich die finanzielle Seite des Ganzen erst in den letzten paar Jahren, als Online-Websites einen legalen Weg darstellten, an dem Prozess teilzuhaben.

Anzahl der Fantasy-Sports-Spieler nach Jahr

Quelle: FSTA

2012 gab der durchschnittliche Nutzer von Fantasy Sports (von denen es etwa 36 Millionen gab) jĂ€hrlich $ 80 aus, davon $ 60 (80 Prozent) fĂŒr die Saison-TeilnahmegebĂŒhr. 2015 nahmen die Ausgaben des durchschnittlichen Nutzers von Fantasy Sports auf $ 465 zu, und mehr als 55 Prozent dieses Betrags entfielen auf TeilnahmegebĂŒhren fĂŒr einzelne Tage statt fĂŒr die ganze Saison.

Umsatz mit Fantasy Sports: 2004 bis 2013

Quelle: TheAtlantic

Extrapoliert bedeuten diese Zahlen, dass sich Online Fantasy Sports innerhalb von drei Jahren von einer 2,9-Milliarden-Dollar-Branche (2012) zu einer Branche mit einem Umsatz von 26,4 Milliarden Dollar (2015) entwickelt hat. Damit ist Online Fantasy Sports in den USA und Kanada eine grĂ¶ĂŸere Branche als die Branche der „Konzert- und Eventaktionen“, deren Umsatz der Analyst IBISWorld bei $ 25 Milliarden Dollar ansiedelt.

Dieser Wandel in der Branche hin zur hĂ€ufigeren Teilnahme von Spielern und einer Ausbreitung von Sportarten mit Online-Wettbewerben hat die Branche veranlasst, zur Beschreibung der Entwicklung den Begriff „Daily Fantasy Sports“ (DFS) zu verwenden.

Auch wenn Kritiker behauptet haben, dass Fantasy Sports-Spiele nicht mehr als virtuelle Casino-Sportwetten sind, weisen Statistiken der FSTA den Durchschnittsnutzer als gebildeten, berufstĂ€tigen Mann aus. Das Durchschnittsalter eines Fantasy Sports-Spielers betrĂ€gt 37, und 66 Prozent sind MĂ€nner. Es war die Sportart Football, die die Fantasy Sports-Branche wirklich vorangetrieben hat, sodass es nicht ĂŒberrascht, dass 73 Prozent der Spieler sie als die Sportart angeben, der sie am liebsten folgen und an der sie sich am liebsten beteiligen.

Anzahl der Facebook-Fans in 2015

Quelle: Statista #1 und Statista #2

Fantasy-Football macht den Hauptanteil von Online-DFS aus, aber andere wichtige Sportarten – einschließlich Fußball – gewinnen zunehmend an PopularitĂ€t. Beim traditionellen Modell, das nach wie vor existiert, zahlt ein Spieler eine Saison-TeilnahmegebĂŒhr, schließt sich einer Liga mit anderen Spielern an und versucht, bei einer Ziehung, die in der Vorsaison stattfindet, das beste Team zusammenzustellen. WĂ€hrend der Saison in dieser Sportart werden Punkte fĂŒr die Leistungen der Athleten vergeben. Zum Schluss erhĂ€lt der Fantasy-Spieler, der durchgĂ€ngig die besten Ergebnisse erzielt hat, einen großen Prozentsatz der TeilnahmegebĂŒhren.

In der aktuellen DFS-Landschaft werden keine Tabellen ĂŒber die ganze Saison benötigt, um einen Gewinner zu ermitteln. Ein Spieler kann sich stattdessen bei Wettbewerben anmelden, die eine Woche oder einen Tag dauern. Auch die Auszahlung erfolgt auf vielerlei Weise, abhĂ€ngig von der Liga und dem jeweiligen Wettbewerb. Es gibt zum Beispiel Wettbewerbe mit gestaffelten Auszahlungen, vergleichbar mit Pokerturnieren. Bei „Double-up“-Wettbewerben gewinnen Spieler, die am Ende eine Gesamtpunktzahl haben, mit der sie zu den oberen 50 Prozent aller Teilnehmer gehören, einen Preis, der dem Zweifachen der TeilnahmegebĂŒhr entspricht.

Die Daten deuten darauf hin, dass die meisten Spieler den Verstand und die Mittel besitzen, um an einer Vielzahl von Wettbewerben teilnehmen zu können. Die FSTA hat festgestellt, dass etwa 57 Prozent der Spieler einen Hochschulabschluss besitzen, 66 Prozent einer VollzeitbeschĂ€ftigung nachgehen und 47 Prozent ĂŒber ein Haushaltseinkommen von mehr als $ 75,000 verfĂŒgen.

Die durchschnittliche AktivitÀt eines DFS-Spielers variiert je nach Sportart, aber nicht sehr stark

Quelle: FSTA

BISHERIGER WEG

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Entwicklung von DFS zu betrachten, und jede hat ihre Berechtigung.

Die erste besagt, dass DFS lediglich die logische technologische Weiterentwicklung von Fantasy-Football ist, das sich bis in die frĂŒhen 1960er Jahre zurĂŒckverfolgen lĂ€sst, als es nach einem Fantasy-Golfspiel gestaltet wurde, das der damalige Besitzer der Oakland Raiders, Bill Wickenbach, entwickelt hatte. Zusammen mit einem Kolumnisten der Oakland Tribune und einem weiteren Angestellten der Raiders entwickelte er 1962 Fantasy-Football.

Wickenbach, mehrere Mitglieder des Mitarbeiterstabes der Raiders und einige Angestellte der Tribune bildeten die erste Liga aus acht Teams, die den Namen „The Greater Oakland Professional Pigskin Prognosticators League“ trug. Die Gruppe hielt die heute vertraute Vorsaison-Ziehung ab und vereinbarte ein Punktesystem, darunter 25 Punkte fĂŒr Feldtore und Touchdowns, 10 Punkte fĂŒr einen erfolgreichen Zusatzpunkt-Versuch und 200 Punkte fĂŒr einen Ballverlust oder Anstoß, der in einem Touchdown mĂŒndete.

Das Konzept wurde von anderen aufgegriffen und innerhalb weniger Saisons experimentierten Bars im Großraum Oakland, die traditionell Veranstaltungen wie etwa Quizabende ausrichteten, um Kunden anzuziehen, mit Fantasy-Football. Ähnliche Spiele fĂŒr andere Sportarten, wie Strat-O-Matic Baseball, tauchten auf, aber solange Spieler nicht bereit waren, sich die MĂŒhe zu machen und die Statistiken mit Papier und Bleistift nachzuverfolgen, besetzte Fantasy Sports bis in die spĂ€ten 1990er Jahre nur eine kleine Nische.

Mit dem Aufkommen des Internets musste niemand in einer Liga mehr mathematisch begabt sein, denn online konnten Echtzeitstatistiken live aktualisiert werden. CBS Sports und Yahoo! Sports stiegen schon frĂŒhzeitig in den Fantasy-Football-Markt ein. Zu dieser Zeit war die Anmeldung kostenlos und wurde eher als „Extra“ fĂŒr die jeweiligen Websites behandelt, statt als Hauptgrund fĂŒr den Besuch der Websites. Als der Aspekt der wohl begrĂŒndeten Vorhersage, den dieser Sport besitzt, populĂ€r wurde, entwickelten weitere Websites Fantasy-Football-Anwendungen, um aus diesem zunehmenden Interesse Kapital zu schlagen.

Die andere Betrachtungsweise besagt, dass DFS-Websites nichts weiter sind als modernes GlĂŒcksspiel im Hinterzimmer. Als sich illegale Sportwetten Mitte des 20. Jahrhunderts ĂŒber ganz Las Vegas ausbreiteten, wurden sie bekĂ€mpft (und weitgehend eliminiert), indem sie in das legale GlĂŒcksspielumfeld verlagert und reguliert wurden.

Diejenigen, die diese These stĂŒtzen, glauben, dass es sich um GlĂŒcksspiel handelt, sobald das Geld einer Person einer Situation ausgesetzt wird, die auf dem Ausgang eines Events basiert, und das Ergebnis dieses Events zu Verlust oder Gewinn von Geld fĂŒhrt.

Nach den Daten zum Thema besuchen die meisten DFS-Spieler weder regelmĂ€ĂŸig Casinos, noch platzieren sie Sportwetten. Der durchschnittliche DFS-Spieler verliert eher $ 20 bei einem inoffiziellen „March Madness“-College-Basketball-Pool, als in einer Casinoumgebung auf den Sieg eines Football-Teams zu setzen.

Auch wenn die historische Verbindung zu traditionellen konventionellen Casino-Sportwetten kaum zu bestreiten ist, fĂŒhrt die FSTA die enorme Zahl kostenloser Optionen fĂŒr die Teilnahme an und macht geltend, dass DFS-Spieler aufgrund des Wettbewerbs und nicht wegen des Geldes teilnehmen.

„Fantasy Sports-Spieler werden zu diesem Hobby aus GrĂŒnden motiviert, die mit Geld oder Preisen nicht in Zusammenhang stehen“, heißt es auf der FSTA-Website. „Die ĂŒberwiegende Mehrheit der Fantasy Sports-Spieler nehmen an kostenlosen Wettbewerben teil, die keine Geld- oder Sachpreise bieten (nach einem IPSOS-Forschungsbericht haben im Jahr 2010 ĂŒber 74 Prozent der 30,6 Millionen Fantasy Sports-Spieler an einem Wettbewerb teilgenommen oder Liga-Software genutzt, der bzw. die keinen Geld- oder Sachpreis beinhaltete). Das einzige VergnĂŒgen ist das Gewinnen und das Messen mit anderen Sportfans. In der Tat zeigen hĂ€ufige Umfragen unter Fantasy Sports-Spielern, dass zu den wichtigsten GrĂŒnden fĂŒr das Spielen das Messen mit Freunden, die Erweiterung der sportlichen Erfahrung und das Bilden einer Liga mit Freunden gehören.“

Es ist ein interessantes Argument, das angefĂŒhrt wird, denn die beiden Unternehmen, die von der FSTA reprĂ€sentiert werden, nĂ€mlich FanDuel und DraftKings, stellen Gewinner großer BetrĂ€ge besonders heraus und betonen in ihrer Werbung die Chance, Geld zu verdienen. Die Werbekampagne von FanDuel hat folgende Aussage markant positioniert: „Auszahlungen von mehr als 75 Millionen Dollar pro Woche! Mehr als auf jeder anderen Website!“ DraftKings geht in Sachen Werbung etwas weniger marktschreierisch vor, auch wenn die Websites beider Unternehmen die Möglichkeit, Geld zu gewinnen, ganz oben auf ihrer Startseite hervorheben. Auf der Website von DraftKings wird in jeder der drei ersten Zeilen betont, dass Geldgewinne möglich sind.

DAS EIGENTLICHE PROBLEM

Wenn bei DFS also Millionen Dollar gesetzt werden, warum ist diese Branche nicht einfach nur die Online-Weiterentwicklung des GlĂŒcksspiels bei Spielen? Es ist eine Frage, mit der sich mittlerweile die Generalstaatsanwaltschaft befasst – und eine Frage, die Branchenorganisationen wie die FSTA vehement mit der Aussage verteidigen, dass es sich nicht um reines GlĂŒck, sondern um ein Geschicklichkeitsspiel handelt.

Die Website der FSTA verteidigt DFS als Geschicklichkeitsspiel mit folgenden Worten: „Manager mĂŒssen eine Unzahl von Statistiken, Fakten und Spieltheorien berĂŒcksichtigen, um konkurrenzfĂ€hig zu sein. Es gibt viele Tausend Websites, Magazine und sonstige derartige Publikationen, die sich bemĂŒhen, die riesigen verfĂŒgbaren Datenmengen zu Fantasy Sports zusammenzufassen, um ihre Leser auf dem neuesten Stand und damit konkurrenzfĂ€hig zu halten. Um zu gewinnen, muss ein Manager mehr als einfache EinsatzplĂ€ne und Statistiken kennen. Er muss auch Verletzungen, Coachingstile, Witterungsbedingungen, Erfolgsaussichten, Heim- und AuswĂ€rtsbilanz und viele andere Informationen berĂŒcksichtigen, um als Fantasy Sports-Manager erfolgreich sein zu können.“

Auf der Website heißt es weiter: „Auf den höchsten Wettkampfniveaus bei Fantasy Sports (z. B. der National Fantasy Baseball Championship) lĂ€sst sich immer wieder feststellen, dass die Topspieler hĂ€ufiger Spiele gewinnen, als es der Fall wĂ€re, wenn die Wettbewerbe komplett oder stark zufallsbasiert wĂ€ren. Dieses Muster war bei vielen Wettbewerben und Turnieren wiederholt erkennbar: Besonders geschickte Fantasy-Spieler gewinnen hĂ€ufiger.“

Das Argument ist nicht unzulĂ€ssig, und die FSTA und andere BranchenfĂŒhrer verweisen auf die Regierung, die den Wortlaut des Unlawful Internet Gambling Enforcement Acts von 2006 ausgearbeitet hat. Dieses Gesetz zielte auf Online-Casinos und insbesondere PokerrĂ€ume ab, indem es den Geldtransfer von dem Bankkonto einer Person zu einem Online-Casino verbot. Im Wortlaut des Gesetzes wurden einige AktivitĂ€ten definiert, die nicht als Online-GlĂŒcksspiel betrachtet wurden, speziell Pferderennen und Fantasy Sports.

Die Verteidiger von DFS weisen auf eine besondere Passage im Unlawful Internet Gambling Enforcement Act von 2006 hin: „... ein Ergebnis, das das relative Wissen der Teilnehmer oder ihr Geschick bei körperlichen Reaktionen oder physischen Manipulationen (aber nicht den Zufall) widerspiegelt, und im Falle eines Fantasy- oder Simulations-Sportspiels ein Ergebnis hat, das vorwiegend durch gesammelte statistische Resultate von Sportereignissen bestimmt wird, einschließlich der individuellen Leistungen von Nicht-Teilnehmern bei solchen Sportereignissen ...“

2006 haben sich nach einer SchĂ€tzung der FSTA 18 Millionen Menschen online an Fantasy Sports beteiligt (zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich Football) und dabei ganz einfach eine GebĂŒhr von höchstens $ 50 gezahlt, um in einer Saison teilzunehmen. Auch wenn dies der Branche einen Umsatz von mehreren Hundert Millionen Dollar einbrachte, war es zu diesem Zeitpunkt nur ein kleiner Prozentsatz im Vergleich zu Online-Poker, wo der Umsatz auf 2,4 Milliarden Dollar im Jahr 2005 geschĂ€tzt wurde (kurz bevor die Regierung hart dagegen vorging). Das sind trotz der Zunahme weniger als 10 Prozent des DFS-Umsatzes im Jahr 2015.

SCHADET DAS ONLINE-WETTEN DEM REALEN GEGENSTÜCK?

Der Druck zur Auflegung des Unlawful Internet Gambling Enforcement Acts von 2006 kam aus vielen verschiedenen Quellen, darunter Besitzer traditioneller konventioneller Casinos, Finanzinstitute und Beobachtergruppen, die sich ĂŒber alles Sorgen machen, vom GlĂŒcksspiel MinderjĂ€hriger bis hin zur Erosion des Wertekanons in Amerika.

FĂŒhrungskrĂ€fte der Spielebranche waren besorgt, dass die Menschen angesichts der Ausbreitung von Poker lieber bequem zu Hause sitzen als in die Casinos gehen wĂŒrden. Und wenn die Geschichte als Beispiel dienen kann: Sie bietet ein gutes Modell fĂŒr das, was bei DFS geschehen kann.

Laut dem Las Vegas Center for Gaming Research der UniversitĂ€t von Nevada, dessen Aufzeichnungen ĂŒber Casinos zu den besten in den USA gehören, ist nicht klar, ob sich die Spielebranche wirklich Grund zur Sorge haben musste, als es um Poker ging. Als sich Texas Hold'em zwischen 2002 und 2006 dank der ESPN-Übertragungen von der World Series of Poker und der VerfĂŒgbarkeit von Online-Poker explosionsartig ausbreitete, konnte auch Las Vegas einen kleinen Aufschwung verbuchen. Nach dem Online-Bann verspĂŒrte man dort einen geradezu explosiven Schub.

Las Vegas durchlebte gerade eine Pokerkrise, als der Wiederaufstieg begann. 1994 gab es in Las Vegas 93 PokerrĂ€ume mit 586 Tischen. Diese Zahlen fielen bis zum Jahr 2000 auf 68 RĂ€ume mit 473 Tischen, und als es 2002 nur noch 57 RĂ€ume mit 386 Tischen gab, war dieses Jahr fĂŒr Poker sogar das schlechteste, seit die Statistik gefĂŒhrt wurde.

WĂ€hrend der Wiedergeburt von Poker zwischen 2002 und 2006 stiegen die Zahlen wieder an und erreichten 2005, dem letzten Jahr der Online-VerfĂŒgbarkeit, 96 RĂ€ume und 781 Tische. 2006 verzeichnete Las Vegas einen weiteren Anstieg auf 106 RĂ€ume und 886 Tische. Nachdem die Online-Möglichkeiten eingestellt waren, nahm Poker in Las Vegas eine beispiellose Entwicklung. Zwischen 2007 und 2010 gab es in Las Vegas im Durchschnitt 112 RĂ€ume mit 915 Tischen. Ein Spiel, das lokalen Casinos 2002 insgesamt 57 Millionen Dollar einbrachte, sorgte im Jahr 2007 bereits fĂŒr einen Umsatz von 167 Millionen Dollar.

Welche Lehre ist zu ziehen? Außerhalb der konventionellen Casinos war eine neue Zielgruppe von Pokerspielern entstanden. Nachdem die Online-Optionen nicht mehr bestanden, wechselte ein erhebliches Spielersegment zu den Casinos.

„WĂ€hrend das Online-Spiel zunahm, stieg der Umsatz beim konventionellen Poker deutlich“, sagte Dr. David G. Schwartz, Direktor des UNLV Center for Gaming Research.

Wenn man ĂŒber die Statistik fĂŒr 2010 hinausgeht und die lĂ€ngerfristigen Auswirkungen des Pokerabschwungs in Las Vegas erkennt, ist es nicht offenkundig, welche Lehre gezogen werden muss. Bis 2012 gingen die Durchschnittszahlen auf 99 RĂ€ume mit 809 Tischen zurĂŒck, an denen ein Gesamtumsatz von 123 Millionen Dollar eingestrichen wurde. Und auch wenn der Umsatz 2013 unverĂ€ndert blieb (die Daten des letzten Jahres stehen zur VerfĂŒgung), fiel die Anzahl der vorhandenen PokerrĂ€ume auf 88 RĂ€ume mit 774 Tischen.

„Da die UmsĂ€tze beim konventionellen Casino-Poker seitdem (seit der ersten explosionsartigen Ausbreitung von Poker) zurĂŒckgegangen sind, kann es ihnen geschadet haben. Es gibt aber auch andere Faktoren wie Rezession und ZyklizitĂ€t“, sagte Schwartz.

So weit zur klaren Lehre: Es lĂ€sst sich offenbar keine eindeutige Lehre ziehen. Es mĂŒssen noch viele Jahre lang Zahlen ĂŒber Poker in Las Vegas erfasst werden, um zeigen zu können, ob ein kurzfristiger Aufschwung in einen langfristigen Abschwung mĂŒndet oder ob es sich um Konjunktur und ein Spiel handelt, das in Zyklen verlĂ€uft.

Abgesehen davon wiederholt sich die Geschichte womöglich bei DFS online und Las Vegas-Sportwetten.

Als Fantasy-Football 2001 und 2002 online Auftrieb erhielt, verzeichneten Las Vegas-Sportwetten durchschnittlich EinsĂ€tze von 830 Millionen Dollar beim Fußball und fast 2 Milliarden Dollar bei allen Sportarten. 2005 lagen diese Zahlen bereits bei EinsĂ€tzen von 1,05 Milliarden Dollar beim Fußball und 2,25 Milliarden Dollar insgesamt. Drei Jahre spĂ€ter, im Jahr 2008, waren bereits 1,12 Milliarden bzw. 2,57 Milliarden Dollar erreicht. Mit der zunehmenden PopularitĂ€t von DFS schossen die Zahlen im Jahr 2011 auf 1,34 Milliarden Dollar fĂŒr Football und 2,87 Milliarden Dollar insgesamt. Die jĂŒngsten Statistiken von 2014 schließlich zeigen EinsĂ€tzen von 1,75 Milliarden Dollar beim Fußball und 3,9 Milliarden Dollar insgesamt – etwa das Doppelte der Durchschnittsausgaben von 2002.

Schwartz macht geltend, dass die steigenden UmsĂ€tze von DFS online und Las Vegas-Sportwetten miteinander korreliert sein könnten. „Es wĂ€re möglich“, sagte er. „In den letzten fĂŒnf Jahren wurde eine Zunahme des Gesamtgewinns von Casinos bei Sportwetten verzeichnet.“

Wenn DFS einen solchen Einfluss gehabt hĂ€tte, dass er in Las Vegas innerhalb von 15 Jahren zu einer Verdoppelung der UmsĂ€tze von Sportwetten fĂŒhrte, warum hĂ€tte man sich dann den RĂŒckzug von DFS gewĂŒnscht? Wenn Sie die Pokergeschichte betrachten, geht es um Geld. Es dauerte ein paar Jahre, aber nachdem ĂŒber Poker der Online-Bann gesprochen war, verdreifachte sich der Casinoumsatz fĂŒr das Spiel und blieb ein halbes Jahrzehnt lang auf einem Allzeithoch, bevor ein RĂŒckgang auf ein Niveau erfolgte, das jedoch immer noch ĂŒber dem Durchschnitt liegt. Wenn die Geschichte angesichts des exponentiell stĂ€rkeren Interesses und mehr Geld bei den Sportwetten im Vergleich zu Poker einen Anhaltspunkt liefert, könnten konventionelle Casinos durch einen Bann von DFS astronomische Gewinne erzielen.

STAATSREGIERUNGEN SCHALTEN SICH EIN

Auch wenn ein gesteigertes Interesse an einer Neudefinition von „GlĂŒcksspielen“ bzw. „Geschicklichkeitsspielen“ auf nationaler Ebene bestand, ĂŒberlĂ€sst die US-Regierung zu diesem Zeitpunkt den Bundesstaaten die Entscheidung, unter welche Kategorie DFS fĂ€llt.

Laut der Website LegalSportsReport.com tĂ€tigen weder FanDuel noch DraftKings GeschĂ€fte in Arizona, Iowa, Louisiana, Montana, Nevada oder Washington. FanDuel hat außerdem die Annahme der Einzahlungen von Spielern in New York gestoppt.

LegalSportsReport.com weist darauf hin, dass die Gesetze zum Betrieb und die Gesetze zur Teilnahme in den meisten Staaten völlig unterschiedlich sind und DraftKings fĂŒr diese Staaten beispielsweise BeschrĂ€nkungen auf Basis bestehender oder anstehender Gesetze erlassen hat, die jedoch möglicherweise nicht die gegenwĂ€rtigen Regelungen eines Staates widerspiegeln.

Wenn Sie denken, das sei verworren, richten Sie einen Blick auf Nevada, die Heimat von Las Vegas, den einzigen Staat in den USA, der Sportwetten erlaubt. Der GlĂŒcksspiel-Kontrollausschuss des Landes entschied Mitte Oktober, dass DFS den Sportwetten gleichkommt und demnach eine Casinolizenz benötigt. Sollten FanDuel und DraftKings diese Lizenz jedoch beantragen, könnte jeder andere Staat, in dem Sportwetten illegal sind, dies als Argument dafĂŒr verwenden, dass diese Unternehmen fĂŒr GlĂŒcksspiele und nicht fĂŒr Geschicklichkeitsspiele werben.

Viele Generalstaatsanwaltschaften prĂŒfen, ob sie befugt sind, EinsĂ€tze bei DFS zu untersagen, und ob ein Verlangen danach besteht. Zu den Staaten, die diese Frage gerade untersuchen, gehören Illinois, Pennsylvania und New York. Die meisten favorisieren das Argument, das genutzt wurde, als sich Casinos im Verlauf der letzten 20 Jahre ĂŒber die gesamten USA ausbreiteten (40 Staaten verfĂŒgen heute ĂŒber Casinos), und dazu fĂŒhren könnte, dass das Problem aufgrund des Suchtpotenzials zu einer Frage der öffentlichen Gesundheit wird.

Die FSTA verteidigt ihre Position, dass DFS sich sehr stark von Sportwetten unterscheidet, indem sie auf die ĂŒberwiegende Mehrzahl der Organisationen hinweist, die DFS offenbar billigen.

„Es lassen sich nur schwerlich Organisationen finden, die auf die Fragen der Sportwetten empfindlicher reagieren als die Major League Baseball und die National Football League. Beide Ligen unterstĂŒtzen Fantasy Sports und unterstĂŒtzen die Vermarktung von Fantasy Sports bei Verbrauchern. Daneben betreiben sie sogar auf ihren offiziellen Websites (MLB.com und NFL.com) kostenlose und gebĂŒhrenpflichtige Fantasy Sports-Spiele und werben fĂŒr sie“, heißt es auf der FSTA-Website.

„In gleicher Weise unterstĂŒtzen sĂ€mtliche wichtigen Profisportligen ihre eigenen Fantasy Sports-Ligen und richten sie oft auch aus: NASCAR, NHL, PGA, NBA und viele weitere. Fast alle wichtigen Medienunternehmen in den USA, von denen viele sehr empfindlich darauf reagieren, wenn sie mit Sportwetten in Verbindung gebracht werden, unterstĂŒtzen und bewerben Fantasy Sports: Yahoo!, ESPN, NBC, Sports Illustrated, CBS und viele weitere.”

Andere Verteidiger der Fantasy Sports-Branche fĂŒhren den enormen Umfang des „Informationskosmos“ von Fantasy Sports als Grund dafĂŒr an, dass das Spiel als Geschicklichkeitsspiel und nicht als GlĂŒcksspiel angesehen werden sollte. Sie argumentieren, dass die Menge der Magazine, Fernsehprogramme, Websites und Handy-Apps, die sich zwar dem Aufbau eines besseren Teams, aber in keiner Weise dem Platzieren von Wetten widmen, zeigt, dass Geld, das auf Basis von Ergebnissen den Besitzer wechselt, nur einen kleinen Teil von DFS darstellt.

Kritiker weisen auf Spiele wie Poker und Blackjack hin, die viele ebenfalls als Geschicklichkeitsspiele betrachten, auch wenn die Tatsache der zufĂ€lligen Verteilung der Karten im Deck darauf hindeutet, dass es sich um ein GlĂŒcksspiel handelt. Wenn Sie diese anderen Spiele trotz der Tatsache betrachten, dass sie zurzeit als GlĂŒcksspiel reguliert werden, gibt es eine klare Antwort?

Ist das statistische Wissen darĂŒber, wie beim Blackjack mit einem Taschenpaar vorzugehen ist, identisch mit dem statistischen Wissen, was ein Quarterback leistet und auf welcher Position er in Ihr Fantasy-Team passt? Auch die besten Blackjack-Spieler verlieren weiterhin und der fragliche Quarterback verrenkt sich beim Training vielleicht die Schulter.

„Ja, Blackjack ist ein Spiel, bei dem ein Spieler durch Geschicklichkeit einen positiven Erwartungswert erhalten kann“, sagte Schwartz. Außerdem denke er, dass es eine Frage der Semantik sei. WĂ€hrend das UNLV Center for Gaming Research die DFS-Sportarten derzeit nicht verfolgt, wĂŒrde Schwartz dies gerne ĂŒbernehmen, wenn er zuverlĂ€ssige Ressourcen finden könnte. Superlobby mit Sitz in Großbritannien stimmt Schwartz zu und nennt die Debatte auf seiner Website ein „semantisches Spiel mit hohem Einsatz“. SuperLobby unterstĂŒtzt Regulierungen vergleichbar denen, die zurzeit in Massachusetts in Kraft sind und von DFS-Betreibern verlangen, unter den Spielern fĂŒr eine verantwortungsbewusste Teilnahme zu werben.

Angesichts einer Branche wie DFS, die so stark und schnell gewachsen ist, ĂŒberrascht es nicht, dass die Regierung offenbar nur langsam reagiert. Aber unabhĂ€ngig davon, auf welcher Seite der Debatte „Geschicklichkeitsspiel gegen GlĂŒcksspiel“ man steht, ist davon auszugehen, dass 2016 in Hinblick auf die Zukunft von Online-DFS erheblich fĂŒr Klarheit sorgen wird.

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